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Dollardiplomatie und Japans verlorene Jahrzehnte

TOKIO: Ein Gespenst verfolgt Chinas Wechselkursregime: der langanhaltende Disput zwischen den USA und Japan während der 1980er und frühen 1990er Jahre über den Wert des Yen. Dieser Disput endete erst, als die japanische Volkswirtschaft in ihr „verlorenes Jahrzehnt“ eintrat, das in den Chinesen die feste Entschlossenheit weckte, diese Erfahrung nicht zu wiederholen.

Natürlich wiederholt sich die Geschichte – und insbesondere die Finanzgeschichte – nie genau. Doch die Argumente, die man heute über den Renminbi hört, erwecken zumindest unter Japanern ein starkes Gefühl von Déjà-vu.

Heute wie damals ist der Kristallisationspunkt des amerikanischen Ärgers der US-Kongress. Dieser bereitet gerade ein Gesetz für Vergeltungsmaßnahmen gegen China vor – eine Reaktion auf den Druck von vielen in den USA, die argumentieren, der künstlich schwache Renminbi trage zu den globalen Ungleichgewichten und insbesondere zu Amerikas enormem bilateralem Handelsdefizit bei. Diese Menschen sind zugleich frustriert, dass das US-Finanzministerium China nicht öffentlich als Währungsmanipulator an den Pranger gestellt hat.

Auf Grundlage der japanischen Erfahrung freilich scheinen die Chinesen in der Tat gute Gründe zu haben, vor dem amerikanischen Druck zur Neubewertung des Renminbi auf der Hut zu sein. Tatsächlich haben die Ökonomen Ronald McKinnon und Kenichi Ohno den Druck aus den USA zur Aufwertung des Yen als eine zentrale Ursache der langen Phase der Deflation und Stagnation der japanischen Volkswirtschaft – das so genannte „verlorene Jahrzehnt“ wirtschaftlicher Malaise, das inzwischen deutlich ins zweite Jahrzehnt hineinreicht – ausgemacht.