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Bessere Entwicklungsarbeit leisten

CAMBRIDGE – Die Ernennung Jim Yong Kims zum Präsidenten der Weltbank war vielleicht absehbar angesichts der langen Tradition, dass die Wahl ein Privileg der USA ist. Von einem Wettbewerb zwischen Kim und den anderen beiden Kandidaten Ngozi Okonjo-Iweala und José Antonio Ocampo konnte also kaum die Rede sein. Trotzdem ist der tiefe Riss in der Entwicklungspolitik zutage getreten, denn Kim und seine beiden Rivalen repräsentieren höchst unterschiedliche Ansätze.

Kim steht für eine Vision, die an der Basis ansetzt, also direkt bei den Armen und bei der Bereitstellung von Dienstleistungen für ihre Gemeinschaften in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Mikrokredite. Das Motto dieser Tradition könnte heißen: „Entwicklung findet Projekt für Projekt statt“.

Der andere Ansatz, der von Okonjo-Iweala und Ocampo vertreten wird, geht von der Wirtschaft als Ganzes aus. Er unterstreicht die Wichtigkeit durchgreifender Reformen, die das allgemeine wirtschaftliche Umfeld verändern, und konzentriert sich auf Bereiche wie den internationalen Handel, Makroökonomie und Staatsführung.

Praktiker der ersten Gruppe verehren NGO-Aktivisten wie Mohammad Yunus, der mit seiner Grameen Bank ein Vorreiter der Mikrofinanzierung war, oder Ela Bhatt, Gründerin der indischen SEWA, einer Organisation für selbstständig arbeitende Frauen. Die Helden der zweiten Gruppe sind Finanz- oder Wirtschaftsminister, die einschneidende Reformen durchsetzen, wie Manmohan Singh in Indien oder Fernando Henrique Cardoso in Brasilien.