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Hat die UNO noch eine Bedeutung?

Mit ihren 192 Mitgliedern und einem Mandat, das alles von der Sicherheit über Flüchtlinge bis hin zur öffentlichen Gesundheit abdeckt, sind die Vereinten Nationen die einzig globale Organisation der Welt. Laut Umfragen in den Vereinigten Staaten jedoch sind zwei Drittel aller Amerikaner der Ansicht, die UNO mache ihre Sache schlecht, und viele meinen, das sie durch die Korruption im Rahmen des Programms „Öl für Lebensmittel“ mit dem Irak Saddam Husseins beschädigt worden sei. Viele werfen der UNO zudem vor, dass sie keine Lösung für die zahllosen Probleme des Nahen Ostens gefunden habe.

Derartige Ansichten freilich verkennen das Wesen der UNO. Sie ist mehr Instrument ihrer Mitgliedsstaaten als unabhängiger Akteur im Bereich der Weltpolitik.

Sicher, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon kann Reden halten, Sitzungen einberufen und Maßnahmen vorschlagen, aber seine Rolle ist eher die eines Sekretärs als eines Generals. Der manchmal mit einem „weltlichen Papst“ verglichene UNO-Generalsekretär kann die weiche Macht der Überredung einsetzen, doch er hat kaum harte wirtschaftliche oder militärische Macht.

Was die UNO an harter Macht besitzt, muss sie sich von den Mitgliedsstaaten zusammenbetteln oder -borgen. Und wenn diese sich nicht auf eine Vorgehensweise einigen können, erschwert dies den Betrieb der Organisation. Wie hat es doch ein Witzbold einmal formuliert: „Wir haben die UNO kennen gelernt, und wir sind es selbst!“ Wo es um Schuldzuweisungen geht, gebühren diese zum großen Teil den Mitgliedern.