DNS: Orakel oder Nemesis?

NEW YORK: Durch die gesamte Geschichte hindurch haben Schamanen und Wahrsager, Zauberer und Hexen versucht, die Zukunft zu lesen und zu bändigen. Gegenwärtig schließen sich Genetiker diesem Geschäft der Vorhersagen an. Wenn Wissenschaftler, so wird argumentiert, dazu in der Lage sind, den genetischen Code zu entschlüsseln und seine Anweisungen zu lesen, dann werden sie auch den Schlüssel zum menschlichen Leiden finden und unsere Prädispositionen vorhersagen können.

Auf Forschungsgrundlage haben Biotechnologie-Unternehmen in daran anschließende Technologien investiert und vorhersagenden Tests entwickelt, um die Menschen erkennen zu können, die zwar keinerlei Symptome einer Krankheit aufweisen, aber trotzdem eine genetische Prädisposition für eine wachsende Anzahl genetischer Krankheiten und für weit verbreitete Anomalien wie beispielsweise bestimmte Krebsarten aufweisen. Einige Wissenschaftler sind in der Tat davon überzeugt, dass Gen-Tests dazu beitragen werden, Tendenzen im Verhalten sowie individuelle Merkmale – einschließlich der Anfälligkeit für Geisteskrankheiten, Homosexualität, Abhängigkeiten, und sogar Wagemut, Ängstlichkeit oder Religiosität – vorherzusagen. In futuristischen Szenarios, so versprechen sie, würden genetische Informationen sowohl die Kontrolle des Verhaltens als auch die Bekämpfung von Krankheiten verbessern helfen.

Gen-Tests unterscheiden sich maßgeblich von anderen klinischen Untersuchungen. Sie können beispielsweise dazu verwendet werden, bei gesunden Menschen, die keinerlei Grund zu der Annahme haben, dass sie ein gesundheitliches Risiko in sich tragen, eine bestimmte Anfälligkeit zu erkennen. Gen-Tests liefern wahrscheinliche Informationen über die Prädisposition einer Person für eine Krankheit, die in naher oder fernerer Zukunft auftreten könnte; die Tests liefern darüber hinaus Informationen nicht nur über die mögliche Zukunft einer einzelnen Person, sondern auch über die Zukunft der Familienmitglieder des Betreffenden.

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