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Würde oder Niedergang?

TOKIO: Kokka no Hinkaku (Die Würde eines Staates) ist der Titel eines jüngst erschienen Buches des japanischen Mathematikers Masahiko Fujiwara, das inzwischen drei Millionen Mal verkauft würde. Die Diskussion darüber in Japan ist derart erhitzt, dass das Wort „Würde“ (hinkaku) inzwischen allgegenwärtig ist.

Dass Japans Würde in heutiger Zeit ein zentrales Thema ist, sollte niemanden überraschen. Denn Japan steht an einem Punkt seiner Geschichte, an dem es seinen Kurs – entweder Niedergang oder Würde – als „Staat“ (kokka) in Bezug auf seinen riesigen Nachbarn China abstecken muss.

Das Problem der Beziehungen zu China kristallisierte sich im September heraus, als die japanische Küstenwache den Kapitän eines chinesischen Trawlers verhaftete, nachdem dessen Schiff in der Nähe der Senkaku-Inseln, die Teil Japans sind und innerhalb seiner Hoheitsgewässer liegen, zwei japanische Patrouillenboote rammte. Die Spannungen zwischen Japan und China – das Anspruch auf die Inseln erhebt – intensivierten sich sofort und rapide.

Viele Jahre verfuhren japanische Regierungen in der Frage der strittigen territorialen Besitzansprüche über die Inseln nach dem Motto „Schlafende Hunde soll man nicht aufwecken“ und ignorierten wiederholte Provokationen durch China (und Taiwan). Dies freilich endete mit den Wahlen vom September 2009, die die chinafreundliche Regierung von Ministerpräsident Yukio Hatoyama ins Amt brachten.