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Das falsche Versprechen eines digitalen Identitätsausweises

ZÜRICH – Die Verfechter der digitalen Identifizierung betrachten die Covid-19-Pandemie als einmalige Jahrhundert-Chance mit einem potenziellen „Jackpot-Markt“ von fast acht Milliarden Menschen. In diesen gefährlichen Zeiten wird der Einsatz der digitalen Identitätsprüfung zur Eindämmung der Virusausbreitung und letztlich zur Verteilung eines Impfstoffs oft als angebracht und notwendig erachtet.

Diese Sichtweise steht im Einklang mit dem weiter gefassten Ziel, allen Menschen auf der Welt, insbesondere den Ärmsten, eine rechtliche Identität zu verschaffen. In Ziel 16 der Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG) wird die Bereitstellung einer „rechtlichen Identität für alle” bis 2030 in Aussicht gestellt und in der UN-Agenda 2020-2030 über rechtliche Identität ist ein „digitaler Identitätsnachweis” vorgesehen. Es scheint als ob mehrere diesbezügliche Initiativen auf höchster Ebene im Gange sind, wie etwa die ID2020 Alliance und möglicherweise das Global Centre for Cybersecurity des Weltwirtschaftsforums, an denen einige der mächtigsten transnationalen Organisationen und Unternehmen beteiligt sind.

Die Bemühungen gehen noch weiter. Die Uno hat mehrere Pilotprojekte ins Leben gerufen, im Rahmen derer digitale Identitätsnachweise für die Identifizierung von Flüchtlingen genutzt werden. Derartige Ideen können auch auf nationaler Ebene schnell Wirklichkeit werden: Chinas Sozialkreditsystem setzt beispielsweise digitale Identitätsnachweise ein. Im weltweiten E-Commerce wird den Menschen eine digitale Identität zugewiesen – und verwendet, um die Rentabilität und Lebenszeitwert eines Kunden zu bestimmen.

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