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Demokratisierung der Millenniumziele

PARIS: Am 20.-22. September kommen in New York Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zusammen, um zu Fortschritten bei der Umsetzung der Millenniumziele der Vereinten Nationen zu animieren – einer Reihe von acht Zielen, die von der Ausrottung von extremer Armut und Hunger bis zur Verringerung der Kindersterblichkeit und der Gewährleistung einer universellen Grundschulbildung reichen und bis 2015 umgesetzt werden sollen. Zweck des Gipfels ist es, über die Erfolge und Misserfolge Bilanz zu ziehen und Schritte hin zu „konkreten Handlungsstrategien“ zu unternehmen. Doch würde dieser Gipfel der ganzen Welt einen großen Dienst erweisen, wenn er einräumte, was bei den Millenniumzielen schief gelaufen ist, und einen radikal anderen Ansatz wählte.

So wie sie gegenwärtig konzipiert sind, bekämpfen die Millenniumziele die Symptome der Armut und Unterentwicklung, ignorieren jedoch weitgehend die tieferen Ursachen. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf insgesamt 18 Zielbereiche – nämlich jene, für die sich am einfachsten Daten zusammenstellen lassen. Im Endeffekt aber lenken sie möglicherweise von den Mechanismen ab, die die Unterentwicklung hervorrufen – in etwa so, wie wenn ein Betrunkener im Lichtkegel einer einsamen Straßenlaterne nach seinem verlorenen Schlüssel sucht, nur weil dort das Licht besser ist. 

Statt die Unterstützung humanitärer Ziele zu geloben und viel Geld für die Bekämpfung der Symptome der Armut auszugeben, müssen sich die reichen Länder die Dringlichkeit bewusst machen, Entwicklungshindernisse auszuräumen, deren Bekämpfung in ihrer Macht steht. So entgehen den Entwicklungsländern beispielsweise jedes Jahr 124 Milliarden Dollar an Einnahmen aus in Steueroasen gebunkertem Vermögen. Indem wir die Existenz solcher Steueroasen zulassen, ermutigen wir die korrupten Eliten in diesen Ländern aktiv, ihre Bevölkerungen weiter zu betrügen.

Auch das derzeitige Welthandelssystem ist zutiefst ungerecht: Es setzt die Entwicklungsländer Wettbewerbsverzerrungen aus und schreckt von der Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften ab. Und die armen Entwicklungsländer stehen vor einem Berg von Auslandsschulden – schätzungsweise 500 Milliarden Dollar –, der mit der Verfolgung von Entwicklungszielen schlicht unvereinbar ist.