5

Demokratischer Wirbelsturm

NEW YORK – Nichts konzentriert den Geist so sehr wie eine große Krise. Wie Millionen anderer Menschen in New York City hörte ich Hurrikan Sandy an meinen Fenstern rütteln und gegen meine Türen schlagen. Ich hatte mehr Glück als viele andere. Er tat nicht viel mehr als das.

Seit vielen Jahren warnen uns Experten nun schon, dass Stürme dieser Stärke die antiquierte städtische Infrastruktur der Stadt überwältigen würde. Salzwasser floss ungehindert in offene U-Bahn-Schächte. Schäden an der Stromversorgung hüllten ein Drittel von Manhattan in die Dunkelheit vormoderner Epochen. Und das war nur New York. In Teilen von New Jersey versinken viele Menschen, die Glück genug gehabt haben, ihr Haus zu behalten, in einem Abwassermeer, dessen Wellen an ihren Häusern lecken.

Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob dieser Sturm durch die Erderwärmung verursacht wurde, aber fast alle Experten sind sich einig, dass die Folgen der Eisschmelze und das Ansteigen der Meeresspiegel zukünftige Stürme verschlimmern werden. Und trotzdem hielt es keiner der beiden Präsidentschaftskandidaten es für nötig, die potenziell katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels auch nur zu erwähnen.

In diesem Sinn verhielt es sich mit Hurrikan Sandy wie mit der Waffengewalt. Während des gesamten Wahlkampfes – und trotz mehrerer Amokläufe mit umfassender Berichterstattung – wollten weder Präsident Barack Obama noch sein Herausforderer Mitt Romney das Problem der Waffengesetze in vielen Staaten diskutieren, die es fast jedem einfach machen, tödliche Waffen zu tragen und wild um sich zu schießen.