10

Schuld und Wahn

NEW HAVEN – Ökonomen sprechen gern über Schwellenwerte, die Ärger machen, wenn sie überschritten werden. Meistens liegt etwas Wahrheit in dem, was sie sagen, aber die öffentliche Meinung reagiert oft übertrieben auf diese Informationen.

Nehmen wir zum Beispiel die Verschuldungsquote in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt, über die in Europa und den Vereinigten Staaten gerade viel debattiert wird. Im gleichen Atemzug wird dann auch gesagt, dass die Verschuldungsquote von Griechenland 153 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts entspräche und dass Griechenland zahlungsunfähig sei. Wenn man das mit den Fernsehberichten von Griechen paart, die in den Straßen demonstrieren, wie sieht das aus?

Hier in den USA sieht das aus wie ein Bild unserer Zukunft, während die Staatsverschuldung den 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gefährlich nahe kommt. Aber vielleicht ist dieses Bild etwas zu lebendig in unserer Fantasie. Denken die Leute wirklich, dass ein Land zahlungsunfähig wird, wenn seine Verschuldung höher ist als sein Bruttoinlandsprodukt?

Das wäre ganz einfach Unsinn. Denn schließlich wird die Verschuldung in Währungseinheiten gemessen und das Bruttoinlandsprodukt in Währungseinheiten pro Zeiteinheit. Das heißt, wenn man beide ins Verhältnis setzt, erhält man eine Quote in Zeiteinheiten. Es ist nicht ungewöhnlich, für diese Einheit ein Jahr zu nehmen. Ein Jahr ist die Zeit, in der sich die Erde einmal um die Sonne dreht, was, außer für saisonabhängige Branchen wie der Landwirtschaft wirtschaftlich nicht weiter relevant ist.