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De Gaulle an den Barrikaden

LONDON – 2010 ist das Jahr der runden Jahrestage für Frankreichs größten Staatsmann seit Napoleon. Charles de Gaulle wurde vor 120 Jahren in Lille geboren und starb an einem Abend vor 40 Jahren in seinem Haus in Colombey les-deux-Églises an einem Herzinfarkt, als er Solitaire spielte. Vor 70 Jahren flog er nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 von Frankreich nach London und rief die Franzosen in einer berühmten Ansprache, die über BBC ausgetragen wurde, zum Widerstand auf.

In diesem Jahr jährt sich auch ein anderer Tag, der weniger beachtet wird, an dem de Gaulles aber seine außergewöhnliche Fähigkeit bewies, Entschlossenheit, politisches Geschick und rhetorisches Talent miteinander zu verbinden, um als Sieger aus einem Konflikt hervorzugehen. Es war ein bedeutender Moment für die Festigung der Fünften Republik, die noch heute Bestand hat.

Der Krieg in Algerien spielte eine Schlüsselrolle für die Rückkehr de Gaulles an die Macht im Mai 1958, im Alter von 67 Jahren. Obwohl seine Memoiren das charakteristische Portrait eines Staatsmannes zeichnet, der wusste, was er tat, hat die Forschung für meine neue Biografie ergeben, dass seine Politik in Bezug auf die Krise auf der anderen Seite des Mittelmeers Hoffnung und Frustration miteinander verknüpfte. Er hoffte, Frankreich könnte die Nationale Befreiungsfront (FLN) militärisch bezwingen und er war frustriert angesichts der extrem chaotischen politischen Situation im Land und der Schwierigkeit, die Siedler davon zu überzeugen, dass der Status Quo unhaltbar war.

1958 sagte er einer Menge in Algiers, die hauptsächlich aus europäischen Pieds Noirs bestand, „Je vous ai compris“ („Ich habe Euch verstanden“). Aber 1960 hatte sich die Euphorie derjenigen, die er benutzt hatte, um wieder ins Amt zu kommen, in Groll verwandelt, sie sahen ihn jetzt als Verräter, der zusammen mit seinem Regime neutralisiert werden musste.