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Dunkelheit in Darfur

Darfur ist ein Synonym für das jüngste Beispiel eines wiederkehrenden internationalen Problems, das vor zehn Jahren auch in Ruanda auftrat und für Schlagzeilen sorgte. Was soll die Welt machen, wenn Menschen massenhaft zum Opfer von Gewalt werden, die innerhalb ihrer eigenen Länder ihren Ursprung hat?

Darfur ist eine Region im Westsudan, wo arabische und afrikanische Muslime leben. Der Konflikt brach Anfang des Jahres 2003 aus, als Rebellen der Sudanesischen Befreiungsbewegung Regierungstruppen angriffen, um größere Autonomie und mehr Ressourcen für ihre Region zu erkämpfen. Die Luftwaffe der Regierung und von ihr unterstützte Milizen (die Janjaweed) holten zum Vergeltungsschlag gegen die bewaffneten Rebellen aus, aber auch gegen Zivilisten, die man verdächtigte, die Rebellen zu unterstützen. Dörfer wurden entvölkert, Frauen vergewaltigt, nicht-arabische Männer getötet.

Die Auslöser der gegenwärtigen Krise mögen noch nicht ganz klar sein, die Kosten sind es indes sehr wohl. Mehr als 50.000 Männer, Frauen und Kinder sind ums Leben gekommen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Das ist wohl Völkermord, ein Wort, das zwar die US-Regierung, aber nur sehr wenige andere in den Mund nehmen, um die Vorgänge in Darfur zu beschreiben.

Unterdessen beraten die Staats- und Regierungschefs der Welt, was und ob überhaupt etwas getan werden sollte. In der am 18. September 2004 verabschiedeten Resolution 1564 des UNO-Sicherheitsrates wird hauptsächlich die Regierung des Sudans kritisiert. Allerdings ist die UNO nicht bereit, den Worten auch Taten folgen zu lassen. In der Resolution wird gedroht, der Sicherheitsrat werde Sanktionen gegen die sudanesische Regierung oder den wichtigen Ölsektor in Erwägung ziehen, aber Strafen sind diesmal nicht vorgesehen.