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Zyperns letzte und beste Chance

NIKOSIA: Es ist verführerisch, die Ergebnisse der jüngsten Parlamentswahlen in Nordzypern als Schlag für den Friedensprozess zu betrachten. Die Wähler im türkischen Norden der Insel haben die Partei ihres Führers Mehmet Ali Talat – der sich seit acht Monaten beinahe wöchentlich mit seinem griechisch-zypriotischen Amtskollegen Demetris Christofias triff, um die Bedingungen für eine Wiedervereinigung der Insel auszuarbeiten – abgestraft.

Allerdings hat das Wahlergebnis mehr mit der schlimmen wirtschaftlichen Lage zu tun als mit dem Friedensprozess. Die Wähler leiden unter der wirtschaftlichen Isolierung, was durch die globale Konjunkturverlangsamung noch verschärft wird. Obwohl Talat seine Parlamentsmehrheit verloren hat, ist er nach wie vor Chef der türkisch-zypriotischen Regierung und wird weiterhin im Namen des Nordens die Verhandlungen führen. Er und auch Christofias setzen sich weiter für eine Lösung ein, trotz der Schwierigkeiten, vor denen sie dabei stehen.

Trotzdem unterstreicht das Wahlergebnis die Tatsache, dass die Zeit für die Suche nach einer Lösung des Zypernproblems knapp wird. Talat hat die Präsidentschaftswahlen Anfang 2010 zum letzten Termin für eine Einigung erklärt; Christofias andererseits steht in seiner eigenen Koalition vor politischen Herausforderungen.

Besuchern bietet Zypern ein trügerisches Bild. Das sonnige Klima des östlichen Mittelmeeres lockt einen stetigen Fluss von Touristen an, und die Mitgliedschaft des Südens in der Europäischen Union hat das Einkommensniveau der griechischen Zyprioten über den EU-Durchschnitt gedrückt. Die Insel mag geteilt sein; vielen aber bietet sie ein komfortables Leben. Trotzdem jedoch bleibt Zypern ein Konfliktgebiet: Noch immer gibt es in Nikosia befestigte Straßenzüge, eine UNO-Friedenstruppe patrouilliert die Pufferzone, und im Norden gibt es eine starke türkische Truppenpräsenz.