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Kroatien nach dem Tode Tudjmans

Zagreb: Der Tod wie auch das Leben Franjo Tudjmans waren so etwas wie eine bizarre Parodie auf den Marschall Tito. Trotzdem sind Vergleiche zwischen Tudjman und Tito vom Anachronismus unterlaufen. Zu Titos Zeit war es möglich, dass starke Männer in glänzenden Uniformen die europäischen Staaten beherrschen konnten, zumal die Länder des Balkans. Weiterhin konnte Tito Autorität auf kollektivistischen Mythen aufbauen, konnte seinen eigenen Weg gegenüber dem Globaltrend durchsetzen und die Nachbarn mit einer internationalen Zensur belästigen. Nich länger ist dies möglich. Querlaufende regionale Truppen sind out in einem sich vereinigenden Europa. Dazu kommt, dass – anders als zu Zeiten Titos – der Westen, immer wenn er Tudjman als Bevollmächtigten seiner Interessen ausspielte, sehr gemischte Ergebnisse zu sehen bekam.

Sicher war es nicht unbedingt der Wille Tudjmans, als ein zweiter Tito, der das unabhängige Kroatien beherrscht, darzustehen, aber er selbst tat herzlich wenig gegen diese Einschätzung. Tito etablierte das einzige Vorbild einer Führerschaft, das Tudjman vernünftig erschien. Mit demokratischer Geschwätzigkeit und einer Fassade von demokratischen Institutionen förderte er das Monopol seiner Partei (oder auch Bewegung) der Nationalisten, der HBZ. Tudjmans Begründung war, dass Kroatien Kraft ansammeln müsse für den Kampf gegen die serbische Aggression. Die Wahrheit ist, dass er eine verhandelte Feindschaft mit Slobodan Milosevic nutzte, um seine Persönlichkeit und eine Beute von Staatseigentum, ganz im russischen Stile, zu festigen. Im all das mit wenig Aufhebens zu erreichen, legte er der Presse und den elektronischen Medien einen Maulkorb an.

Trotz der Feindschaft zwischen Serbien und Kroatien waren die Verhandlungen zwischen Diktator Milosevic und Diktator Tito recht unkompliziert. Da beide, Tudjman und Milosevic, an einen ethnisch homogenen Staat glaubten, schürten sie gewaltsame Bevölkerungswanderungen (also: ethnische Säuberung) und eine Teilung des Territoriums zwischen den Bevölkerungsgruppen. Das Hauptopfer ihrer Bessenheit nach Landbesitz war Bosnien, das sie teilten und durch mehrere Vollmachten beiderseits schwer zeichneten. Das Dayton-Abkommen spiegelte nicht so sehr eine Niederlage ihres Plans wider als die internationale Legitimation ihrer Teilung Bosniens. Hervorgerufen durch das Abkommen blieben Muslim-Enklaven in Bosnien zurück, die sich dem Machtstreben der Diktatoren ausgesetzt sahen.

Die Konsequenzen der Politik Tudjmans, die immer in einem harschen und strengen Stil verpackt war, führte zu Kroatiens Isolation von Europa und Amerika. Es ist nicht so, dass Tudjman nicht gelegentlich bewiesen hätte, dass er nutzvoll sein konnte: der Blitzkrieg der kroatischen Armee 1995 führte ja immerhin zum Dayton-Abkommen. Am Ende aber verärgerte seine Arroganz mehr als seine Kooperation half. Einige Aktionen, die die letzten Jahre seines Auftretens gegenüber dem Westen charakterisieren, reflektieren diesen bitteren Antagonismus. Beispiele dafür sind die Androhung von Sanktionen, weil sich das Kriebsverbrechertribunal in Hague nicht kooperativ genug zeigte oder auch die Abweisung von EU-Hilfeprogrammen und des Programmes „Partnerschaft für den Frieden“ der Nato.