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Cristina Kirchners Entscheidung

BUENOS AIRES – Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner, die mithilfe der wirtschaftlichen Stabilität des Landes und ihrer Beliebtheit als Witwe eindeutig wiedergewählt wurde, hat bestätigt, dass sie tatsächlich ohne ihren Mann Néstor eine komplexe, streitbare und teilweise selbstzerstörerische Gesellschaft regieren kann. Die Präsidentschaft ihres Mannes hat ihr den Weg gebahnt, aber trotzdem ist sie eine eigenständige Staatsführerin. Die Frage ist nun, was für eine Art von Führerin sie angesichts der heutigen, immer schwierigeren innen- und außenpolitischen Lage sein will.

Die Kirchners haben Argentinien aus der tiefen Krise des Jahres 2001 geholfen und BIP-Wachstumsraten in ähnlicher Höhe wie China erreicht. Sie haben einen Teil der sozialen und politischen Struktur Argentiniens erneuert, die durch die brutalen Anpassungsmaßnahmen während der Krise geschwächt worden waren – einer Krise, die einen Präsidenten zu Fall gebracht, zur Pleite des Staates geführt und den Lebensstandard dermaßen zum Absturz gebracht hat, dass sich über die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze wiederfand. Mit ihren wirtschaftlichen Maßnahmen, darunter einer Flut von Subventionen, konnten sie Arbeitslosigkeit und Armut reduzieren.

Indem die Opposition internationale Zusammenhänge, hohe Rohstoffpreise und reichlich fließende Exporteinkünfte als für den Erfolg der Kirchners verantwortlich erklärt, unterschätzt sie deren Errungenschaften. Diese Gründe mögen zwar alle stimmen, aber hohe Einkünfte allein waren kein Garant für den Erfolg.

Möglicherweise wurde dieser Rückenwind wurde sowieso verschwendet, da die Kirchners die strukturellen Veränderungen, die Argentinien von Rohstoffpreisen unabhängig machen, erst durchführen müssen – in der Industrie, der Energiepolitik, der Bildung und anderswo.