Die Moralökonomie der Verschuldung

LONDON – Jeder wirtschaftliche Zusammenbruch bringt die Forderung nach einem Schuldenerlass hervor. Die zur Rückzahlung von Krediten benötigten Einnahmen sind verschwunden, und die als Sicherheiten hinterlegten Vermögenswerte haben an Wert verloren. Die Gläubiger verlangen ihr Pfund Fleisch; die Schuldner fordern lautstark Entlastung.

Man betrachte etwa die aus der Occupy-Bewegung hervorgegangene Organisation Strike Debt, nach eigener Beschreibung „eine landesweite Bewegung von Schuldenverweigerern, die für wirtschaftliche Gerechtigkeit und demokratische Freiheit kämpft“. Ihre Website argumentiert, dass die Menschen „angesichts stagnierender Löhne, struktureller Arbeitslosigkeit und Einschnitten bei den öffentlichen Dienstleistungen“ gezwungen werden, sich zu verschulden, um grundlegendste Lebensnotwendigkeiten zu erwerben, was dazu führt, dass sie „ihre Zukunft den Banken preisgeben“.

Eine der Initiativen von Strike Debt, das sogenannte „Rolling Jubilee“, sammelt Geld, um Schulden aufzukaufen und zu vergeben – ein Prozess, den die Organisation als „kollektive Verweigerung“ bezeichnet. Der Fortschritt der Gruppe ist beeindruckend; sie hat bereits mehr als 700.000 US-Dollar aufgebracht und damit Schulden im Wert von fast 18,6 Millionen Dollar getilgt.

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