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(K)ein neues Argument gegen Handel

NEW HAVEN – Die Covid-19-Krise bestärkt die Verfechter des Protektionismus und der Deglobalisierung. Zu den bekannten Sorgen über verlorene Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie und wachsende Ungleichheit, oder auch den in einigen Kreisen bestehenden Wunsch, China mit höheren Zöllen zu „bestrafen“ (zum Sündenbock zu machen), ist nun ein Argument gegen globale Lieferketten hinzugekommen. Dieser Auffassung zufolge hat die weit verteilte Produktion die Volkswirtschaften weniger autark und damit weniger widerstandsfähig gemacht. Die Lösung besteht darin, bestehende Geschäftstätigkeiten in die Heimatländer zurückzuholen, in Zukunft weniger ins Ausland zu verlagern und die Abhängigkeit vom Handel allgemein zu verringern.

Das Argument der Widerstandsfähigkeit ist nicht neu. Sorgen um die „Ernährungssicherung“ werden regelmäßig zur Rechtfertigung protektionistischer Eingriffe in den Agrarsektor benutzt. Und vordergründig betrachtet scheint die – in den letzten Monaten häufig vorgebrachte – Behauptung berechtigt, dass Lebensmittelversorgungsketten sicherer seien, weil sie national verortet sind. Bei näherer Betrachtung ist die Situation allerdings deutlich differenzierter, vor allem, wenn man eine halbwegs weit gefasste Auffassung von „Widerstandsfähigkeit“ hat.

Sicherlich würden Handelsskeptiker sagen, dass die Covid-19-Krise die Verwundbarkeit globaler Lieferketten gegenüber Exportbeschränkungen und externen Schocks offenbart hat. Viele Länder, darunter auch EU-Mitgliedstaaten, verhängten anfänglich Ausfuhrbeschränkungen für persönliche Schutzausrüstung (PSA) wie Gesichtsmasken, was möglicherweise dazu geführt hat, dass einige Importländer diese Artikel nicht beschaffen konnten, als sie sie am dringendsten benötigten.

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