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Eine noch größere Depression?

NEW YORK – Der durch COVID-19 ausgelöste Schock für die Weltwirtschaft übertrifft in punkto Geschwindigkeit und Ausmaß die globale Finanzkrise des Jahres 2008 und sogar die Große Depression. Im Lauf dieser beiden früheren Ereignisse brachen die Aktienmärkte um 50 Prozent oder mehr ein, die Kreditmärkte erstarrten, es folgten massive Insolvenzen, die Arbeitslosenquote stieg auf über 10 Prozent und das BIP schrumpfte auf Jahresbasis um 10 Prozent oder noch mehr. Doch das alles spielte sich in einem Zeitraum von etwa drei Jahren ab. In der aktuellen Krise ereigneten sich ähnlich schwerwiegende makroökonomische und finanzielle Entwicklungen innerhalb von drei Wochen.

Anfang des Monats dauerte es nur 15 Tage, bis der US-Aktienmarkt auf Bärenniveau abstürzte (ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber seinem Höchststand). Dabei handelt es sich um den raschesten jemals verzeichneten Einbruch. Nun haben die Märkte 35 Prozent ihres Wertes eingebüßt, die Kreditmärkte stocken und die Kreditspreads (wie jene für Ramschanleihen) sind auf das Niveau von 2008 gestiegen. Selbst etablierte Finanzunternehmen wie Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley erwarten, dass das BIP der USA im ersten Quartal auf Jahresbasis um 6 Prozent sinken wird um im zweiten Quartal um 24 bis 30 Prozent. US-Finanzminister Steve Mnuchin warnte, dass die Arbeitslosenrate dramatisch auf über 20 Prozent ansteigen könnte (das wäre doppelt so hoch wie der Spitzenwert während der globalen Finanzkrise).

Mit anderen Worten: jeder Bestandteil der Gesamtnachfrage - Konsum, Investitionen, Exporte - befindet sich in beispiellos freiem Fall. Obwohl die meisten eigennützigen Kommentatoren einen V-förmigen Abschwung prognostizierten – mit dramatisch sinkender Produktion in einem Quartal und rascher Erholung im darauffolgenden – sollte mittlerweile klar sein, dass die COVID-19-Krise vollkommen anders ist. Die derzeit stattfindende Kontraktion erscheint weder V- noch U- noch L-förmig (drastischer Abschwung mit anschließender Stagnation). Vielmehr präsentiert sie sich als I: eine senkrechte Linie, die für den Absturz der Finanzmärkte und der Realwirtschaft steht.

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