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Vom Schleier verwirrt

Am 23. Juli werden nach den Wahlen 23 Millionen Türken in einer neuen Türkei aufwachen. Was geschehen wird, ist schwer absehbar.

Die türkische Politik steckt voller Überraschungen, die nur Ausländer überraschend finden. Heute – und dies scheint für die meisten Menschen außerhalb der Türkei zu überraschen – sind es die Frauen, nicht die Männer, die im Mittelpunkt der politischen Debatte stehen. Tatsächlich hat sich bei diesen Wahlen die Zahl der Kandidatinnen aus allen Parteien sichtbar erhöht, und dasselbe gilt für das politische Engagement der Frauen insgesamt.

Die aktuellen Wahlen finden statt, weil die weltliche Elite des Landes schaudernd zurückschreckte, als die AKP (die derzeit herrschende konservative Partei) Außenminister Abdullah Gul als ihren Präsidentschaftskandidaten präsentierte. Das Problem dabei war nicht Gul; das Problem war seine Frau. Wäre Gul zum Präsidenten gewählt worden, hätte die Türkei ihre erste Kopftuch tragende First Lady gehabt.

Das Kopftuch von Frau Gul wurde als Symbol für nahende dunklere Veränderungen interpretiert. Wenn die erste Frau im Staate Kopftuch trägt, so behauptete die weltlich orientierte Elite, könnte das gesamte weltliche System untergraben werden.