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Lehren aus dem Kalten Krieg für George W. Bush

Vor kurzem zog Präsident Bush eine Parallele zwischen dem derzeitigen Kampf gegen den brutalen jihadistischen Terror und dem Kalten Krieg. In einem Punkt hat er Recht: Terrorwellen haben die Tendenz, sich über Generationen hinzuziehen. Unglücklicherweise wird der gegenwärtige „Krieg gegen den Terror“ ebenso wie der Kalte Krieg wahrscheinlich keine Sache von Jahren, sondern von Jahrzehnten sein. 

Bush hat allerdings eine weitere Lehre aus seiner Analogie nicht erkannt, nämlich die Bedeutung des Einsatzes von kultureller Soft Power. Der Kalte Krieg wurde durch eine Kombination aus militärischer Macht, die der Abschreckung der Sowjetunion diente, und der Attraktivität westlicher Kultur und Ideen gewonnen. Die Berliner Mauer wurde im Jahr 1989 nicht durch Artilleriebeschuss, sondern mit Bulldozern und Hämmern zum Einsturz gebracht. Leider hat Bush diese Lektion nicht gelernt.

Der akademische und wissenschaftliche Austausch während des Kalten Krieges spielte eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung amerikanischer Soft Power. Während manche Skeptiker in Amerika befürchteten, sowjetische Wissenschaftler und KGB-Agenten würden amerikanische Technologie klauen, entging ihnen, dass die Besucher neben wissenschaftlichen Geheimnissen auch politische Ideen aufsogen. Aus vielen dieser Wissenschaftler wurden später führende Menschenrechtsaktivisten und Kämpfer für die Liberalisierung in der UdSSR.

Ungefähr 50.000 Sowjets – Schriftsteller, Journalisten, Beamte, Musiker, Tänzer, Sportler und Wissenschaftler – besuchten zwischen 1958 und 1988 die Vereinigten Staaten. Alexander Jakowlew wurde durch sein Studium an der Columbia University im Jahr 1958 stark beeinflusst. Er wurde später Mitglied des Politbüros und einer der wichtigsten Vorkämpfer der Liberalisierung um Michael Gorbatschow.