turner64_JOSH EDELSONAFP via Getty Images_firefightercalifornia Josh Edelson/AFP via Getty Images

Verhandeln, während die Welt brennt

LONDON – Die 2010er Jahre könnten als das Jahrzehnt in Erinnerung bleiben, in dem der Kampf gegen den schädlichen Klimawandel verloren wurde. 2015, bei der COP21-Klimakonferenz in Paris, einigten sich 196 Länder darauf, die globale Erwärmung auf deutlich weniger als 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Aber die weltweiten Treibhausgasemissionen stiegen danach weiter: Die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid sind auf dem höchsten Niveau seit 800.000 Jahren, und bei der aktuellen Politik wird es bis 2100 wahrscheinlich zu einer Erwärmung von etwa 3°C kommen. Darüber hinaus sind die jüngsten COP25-Verhandlungen in Madrid gescheitert, weil die Regierungen über den Wert und die Zuweisung von „Kohlenstoffzertifikaten“ stritten, die noch aus einer überkommenen früheren Politikperiode stammen.

Gleichzeitig sind in den 2010er Jahren enorme technische Fortschritte gemacht worden. Heute können die Treibhausgasemissionen viel kostengünstiger verringert werden, als wir es noch ein Jahrzehnt vorher für möglich gehalten haben. Der Preis für Solar- und Windkraft ist um über 80% bzw. 70% gefallen, und die Kosten für Lithium-Ionen-Batterien gingen von 1.000 Dollar pro Kilowattstunde im Jahr 2010 auf aktuell 160 Dollar zurück. Aufgrund dieser und weiterer Durchbrüche können nun Energiesysteme, die zu bis zu 85% auf variablen erneuerbaren Energien beruhen, kohlenstofffreien Strom zu einem Preis erzeugen, der gegenüber fossilen Systemen völlig konkurrenzfähig ist.

Außerdem ist heute klar, dass sogar die „schwerer anpassbaren“ Sektoren wie die Schwerindustrie (darunter Stahl, Zement- und chemische Industrie) und der Langstreckentransport (wie Schiffs-, Flug- und Lastwagenverkehr) zu einem Preis entkarbonisiert werden können, der für einzelne Unternehmen zwar erheblich ist, aber kaum Einfluss auf den Lebensstandard der Menschen hat.

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