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Die Wahl zum Mr. Europa

BRÜSSEL – Zwar ist in allen Schlagzeilen von Amerikas Präsidentschaftswahlkampf zu lesen, doch steht auch in Europa ein Kampf um die Führungsposition bevor. Derzeit richten sich aller Augen auf die ungekrönten Spitzenreiter für den Posten des ersten zu ernennenden Präsidenten des Europäischen Rates.

Niemand – nicht einmal diejenigen, die direkt in den Prozess involviert sind – weiß wirklich, wie die Spitzenpolitiker der Europäischen Union ausgewählt werden. Es gibt keine offiziellen Regeln und schon gar keine Wahlen; irgendwie tauchen in den Medien einfach Namen auf, die Teil des mysteriösen internen Verhandlungssystems der EU werden.

Eigentlich sind fünf Posten zu haben, und deshalb wird zwischen Europas Botschaftskanzleien eine komplexe, aber geheime Diskussion darüber geführt, wer welchen bekommen könnte, ohne das delikate Gleichgewicht zwischen Politikerfamilien oder großen und kleinen Staaten zu stören.

Im Kern dieses Prozesses geht es um die noch heiklere Frage, ob diejenigen, die die Kontrolle über die wichtigsten EU-Institutionen übernehmen werden, starke Führungspersönlichkeiten sein sollten. Im Prinzip wollen alle eine einflussreiche Besetzung; in der Praxis sträuben sich viele nationale Machthaber gegen die Idee eines unabhängigeren und selbstbewussteren Teams in Brüssel.