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Chinas Schleusentore für Kapitalströme

NEW YORK – Da es nach Jahrzehnten des spektakulären Wachstums in China zu einer Konjunkturabkühlung kommt, wird die Regierung zunehmend dem Sirenengesang der Liberalisierung des Kapitalverkehrs ausgesetzt sein. Diese Möglichkeit mag zunächst attraktiv erscheinen, vor allem weil die chinesische Regierung eine Internationalisierung des Renminbi anstrebt. Doch der Schein kann trügen.

Einem neuen Bericht zufolge sollten die chinesischen Behörden einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs skeptisch gegenüberstehen. Der Bericht zieht die Lehren aus den jüngsten Erfahrungen anderer Schwellenländer und kommt zu dem Schluss, dass China ein sorgfältig abgestuftes und behutsames Vorgehen wählen sollte, wenn es seine Wirtschaft den Launen globaler Kapitalströme aussetzt.

Der rote Faden, der sich durch die jüngere Geschichte aufstrebender Volkswirtschaften zieht – beginnend in Lateinamerika und weiter durch Ostasien und Mittel- und Osteuropa – ist die stark prozyklische Orientierung von Kapitalströmen, die als Hauptursache für finanzielle Instabilität gelten. Auch die mit einer Liberalisierung einhergehende finanzielle Instabilität im eigenen Land hat große Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung, ebenso wie mangelnde Kontrolle über Finanzintermediäre, die nicht dem Bankensektor angehören – ein Problem, mit dem China nun konfrontiert wird, da der Beitrag des Schattenbankensektors zum Kreditwachstum immer deutlicher hervortritt.

Auch die wissenschaftliche Forschung unterstützt größtenteils die Auffassung, dass die Liberalisierung des Finanzmarktes und des Kapitalverkehrs behutsam erfolgen und mit einer strengeren innerstaatlichen Regulierung einhergehen sollte. Im Hinblick auf Kapitalströme bedeutet dies die Beibehaltung von Vorschriften für den Kapitalverkehr als wesentliches Instrument der makroökonomischen Politik.