10

Amerikanische Führung in einer multipolaren Welt

LONDON – Seinen Platz im Rampenlicht zu verlieren ist niemals leicht. Wie viele alternde Berühmtheiten wehren sich auch die Vereinigten Staaten dagegen, die Bühne mit neuen Akteuren zu teilen, insbesondere mit China. Die kommenden Konferenzen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank – Institutionen, die von den USA und ihren westlichen Verbündeten dominiert werden – bieten eine ideale Gelegenheit, dies zu ändern.

Die USA müssen lernen, sich daran zu gewöhnen, dass die Welt sich verändert hat. Je länger das Land dies leugnet, desto mehr wird es seinen eigenen Interessen und seinem weltweiten Einfluss – der zwar geringer als zuvor, aber immer noch erheblich ist – Schaden zufügen.

Die Welt entspricht nicht länger der statischen Ordnung des Kalten Krieges mit zwei Blöcken in offener, aber wachsamer Konfrontation. Auch richtet sie sich nicht mehr nach dem Pax Americana, der in den zehn Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dominierte, als die USA für kurze Zeit die einzige Supermacht waren.

Der heutigen Welt liegt eine multipolare Ordnung zugrunde, die durch den Aufstieg von Schwellenländern wie China zu großen Handels- und Finanzmächten bestimmt wird. Die USA – ganz zu schweigen von den anderen G-7-Ländern – müssen nun nicht nur mit China konkurrieren und zusammenarbeiten, sondern auf erweiterten Foren wie dem G-20 auch mit Indien, Brasilien und anderen.