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Ein Seidenhandschuh verbirgt Chinas eiserne Faust

NEU-DELHI – China arbeitet seit Jahren daran, Südasien eine „Perlenkette“ anzulegen: Ein Netzwerk aus Häfen, das seine Ostküste mit dem Nahen Osten verbindet und seinen strategischen Einfluss und maritimen Zugang erweitern würde. Daher überrascht es kaum, dass Indien und andere diesen Prozess mit großer Sorge betrachten.

Inzwischen versucht China seine Strategie allerdings durch die Behauptung zu verschleiern, dass es eine maritime Seidenstraße des einundzwanzigsten Jahrhunderts errichten will, um den Handel und kulturellen Austausch zu verbessern. Doch die Bedenken in Asien und darüber hinaus, dass China das strategische Ziel verfolgt, die Vormacht in der Region zu erlangen, lassen sich durch freundliche Worte schwerlich zerstreuen.

Die Sorge ist durchaus begründet. Einfach ausgedrückt soll die Seidenstraßen-Initiative China zum Dreh- und Angelpunkt einer neuen Ordnung in Asien und im Indischen Ozean machen. Durch sein Bestreben, eine beherrschende Stellung entlang zentraler Handelsrouten zu etablieren, während es zugleich territoriale und maritime Streitigkeiten mit mehreren Nachbarn anzettelt, versucht China, die geopolitische Landkarte in Asien neu zu zeichnen.

Die strategische Dimension der maritimen Seidenstraße wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee (People’s Liberation Army, PLA) federführend in der Debatte ist. Generalmajor Ji Mingkui von der Nationalen Verteidigungsuniversität der PLA zufolge, kann die Initiative China helfen, ein „neues Image“ zu bekommen und „Einfluss zu gewinnen“, zumal die strategische „Hinwendung“ der USA nach Asien „an Schwung verliert“.