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Russlands Bedrohung durch China

Letzte Woche hielten Russland und China in Gegenwart des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des chinesischen Präsidenten Hu Jintao gemeinsame Militärmanöver ab. Allerdings ist eine neue strategische Allianz zwischen den beiden Ländern unwahrscheinlich, da China die größte strategische Bedrohung Russlands darstellt. Viele im Kreml stehen dieser Tatsache jedoch blind gegenüber, da sie zu sehr mit Säbelrasseln gegenüber Amerika und dem Westen beschäftigt sind.

Tatsächlich betrachtet China mehrere Regionen im fernen Osten Russlands offiziell nur als von China „entfremdet“. Chinas territoriale Ansprüche an Russland werden vielfach in chinesischen Erdkundebüchern der Grundschule erwähnt. Diese von China beanspruchten Regionen liegen im fernen Osten Russlands und werden in diesen Schulbüchern innerhalb chinesischer Grenzen liegend dargestellt.

Dies steht in Übereinstimmung mit dem strategischen Konzept der Chinesen von „lebenswichtigem Raum“, zu dem sämtliche Bereiche strategischer Aktivitäten eines Staates an Land, auf See, unter Wasser, in der Luft und im Weltraum gehören. Die Dimensionen dieses „lebenswichtigen Raumes“ werden von den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technischen, sozialen und militärischen Fähigkeiten eines Landes bestimmt – also im Wesentlichen von seiner Macht insgesamt. Chinesischen Theoretikern zufolge geht dieser „lebenswichtige Raum” bei großen Mächten weit über seine Staatsgrenzen hinaus, während er sich im Fall schwacher Länder auf strategische Grenzen beschränkt, die nicht immer mit den Grenzen des nationalen Territoriums übereinstimmen müssen.

China erhebt heute territoriale Ansprüche gegen 11 seiner 24 Nachbarländer. Zu diesen elf Ländern gehören neben Russland auch Indien, Japan, Vietnam und die Philippinen. In den Beziehungen Chinas zu allen diesen Ländern war und bleibt der potenzielle Einsatz militärischer Gewalt ein bedeutender Faktor.