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China vor dem großen Sturm

New York: Es bahnt sich ein ausgewachsener Sturm an, der zu einer Bedrohung für Chinas Beziehungen zur übrigen Welt werden könnte. Obwohl einige, die im Westen gegen China polemisieren, und auch die chinesischen Nationalisten jubeln mögen, hilft diese potenzielle Verschlechterung der internationalen Beziehungen Chinas niemandem und droht, den Frieden und die Sicherheit der Welt zu untergraben.

Je näher die Olympischen Spiele in Peking kommen, desto mehr scheint das, was sich die Chinesen am meisten zu wünschen scheinen – dass die Spiele Chinas Rückkehr in den Kreis der führenden Nationen verkünden –, ihrem Griff zu entgleiten. Falls die Dinge schlecht laufen, könnte China sich dem Isolationismus zuwenden.

Der Aufstand in Tibet und die Reaktion der Regierung darauf haben ethnische Schwierigkeiten innerhalb Chinas ans Licht gebracht, die zu bewältigen der chinesischen Regierung schwer fällt. Da sie politisch nicht imstande waren, die Wünsche der tibetanischen Protestierenden zu akzeptieren oder in ausreichendem Maße zu berücksichtigen, haben sich die chinesischen Behörden im Zusammenhang der Ausschreitungen vom März fast ausschließlich auf die eng begrenzten Probleme von Recht und Ordnung konzentriert.

Viele Menschen im Westen, die mit den Wünschen der Tibeter nach einem ernstzunehmenderen Maß an Autonomie unter chinesischer Herrschaft sympathisieren, sind von Chinas hartem Vorgehen, seiner Verunglimpfung des Dalai Lama und seinem kompromisslosen Ansatz ernüchtert. Viele Chinesen jedoch betrachten die protibetischen Proteste in Paris, London, San Francisco, Delhi und anderswo inzwischen als Versuch, die Spiele zu sabotieren und China nach fast zwei Jahrhunderten, die als Demütigung empfunden wurden, weiter am Boden zu halten.