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Chinas industrieller Albtraum

Die westlichen Medien haben die Angewohnheit, sich auf gewisse Themen einzuschießen. Im Falle Chinas waren dies jüngst Meldungen im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln. Die Hinrichtung des ehemaligen Leiters der staatlichen chinesischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (SFDA), Zhen Xiaoyu, der fast 1 Million Dollar an Bestechungsgeldern kassierte, zeigt, dass diese ungeheure Thematisierung auch auf China übergegriffen hat.

Zunächst begann es mit einer Flut von Meldungen über Tierfutter, in dem Melamin (ein Kohlederivat) gefunden wurde, Hustensäfte und Zahnpasta, die Diethylenglykol enthielten (eine süßlich schmeckende Industriechemikalie, die normalerweise in Frostschutzmitteln und Bremsflüssigkeiten eingesetzt wird), Spielzeugeisenbahnen, die mit bleihältigen Farben lackiert waren, Antibiotika, in denen sich Bakterien befanden, explodierende Mobiltelefonbatterien und defekte Autoreifen.

Jetzt stehen Nahrungsmittel im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Zeitungen dieser Welt sind voll von Meldungen über Honig, der mit industriellen Süßmitteln versetzt wurde, Konservendosen, die mit Bakterien und überhöhten Mengen an Konservierungsmitteln belastet sind, Reiswein, der mit Industriealkohol gepanscht wurde sowie Fisch, Aal und Schrimps, die unter Einsatz von hochdosierten Antibiotika auf Fischfarmen gezüchtet und anschließend mit Formaldehyd gespült werden, um die Bakterienzahl zu senken.

Chinas Regierung reagierte darauf fast unverzüglich. Die Generalverwaltung für Qualitätskontrolle, Inspektion und Quarantäne führte eine Studie durch und berichtete, dass beinahe ein Fünftel aller in China für den heimischen Markt hergestellten Produkte nicht den Sicherheits- und Qualitätsansprüchen genügen. Gleichzeitig setzten die Regulierungsbehörden auf vermehrte Inspektionen, schlossen ungefähr 180 Nahrungsmittel verarbeitende Betriebe und stellten die Namen der Übeltäter auf ihre Webseite.