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Chinas altersschwache Bevölkerung

Endlich scheint Chinas Regierung die dringenden Herausforderungen anzuerkennen, vor die sie die alternde Bevölkerung des Landes stellt. Am 12. Dezember veröffentlichte sie im Kabinett eine Gesetzesvorlage zu diesem Problem – die erste ihrer Art –, in der sie versucht, sich mit der Aussicht auf steigende Sozialversicherungs- und Gesundheitskosten, einem angespannteren Arbeitsmarkt und anderen potenziellen Hindernissen auseinanderzusetzen, die die Fortsetzung eines schnellen Wirtschaftswachstums verhindern könnten.

Im Rückblick wirkt es wie Ironie, dass die drakonische, 1979 eingeführte „Ein-Kind-Politik“ der chinesischen Regierung zur gleichen Zeit wie die Politik der „offenen Tür“ durchgesetzt wurde, die darauf abzielte, ausländische Investitionen für arbeitsintensive Industrien zu gewinnen. Obwohl beide Initiativen als Erfolge angesehen werden müssen, hat das Familienplanungsprogramm im Laufe der Jahre zu einer alternden Bevölkerung beigetragen, die Chinas Attraktivität als billigen Produktionsstandort für arbeitsintensive Industrien u. U. schmälern könnte.

In den nahezu drei Jahrzehnten seit der Einführung der Ein-Kind-Politik sind die Lebendgeburten von 22,5 Millionen pro Jahr Anfang der 80er Jahre auf 16 bis 17 Millionen Mitte dieses Jahrzehnts gefallen. Darüber hinaus hat diese niedrige Geburtenrate, zumal die Anzahl der Älteren aufgrund der steigenden Lebenserwartung wächst, den Anteil der Menschen über 65 von 4,9 % auf 7,7 % der Gesamtbevölkerung ansteigen lassen.

Nach den am Mittelwert orientierten Vorhersagen der UNPD (United Nations Population Division) würde ohne eine Reform der Ein-Kind-Politik der Anteil der unter 15-Jährigen an der chinesischen Bevölkerung von 24,8 % im Jahr 2000 auf 15,7 % im Jahr 2050 sinken, wogegen der Anteil der über 65-Jährigen von 6,8 % auf 23,6 % steigen würde. Da weniger Kinder da wären, um ausscheidende Arbeitskräfte zu ersetzen, würde die Gruppe der Arbeitenden zwischen 15 und 64 Jahren von 68,4 % auf 60,7 % schrumpfen. Alte Menschen würden demnach einen wesentlich größeren Anteil an Chinas Bevölkerung ausmachen als in anderen großen, aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien, Indien, Indonesien und Mexiko.