Chinas „friedlicher“ Aufstieg?

In den letzten Wochen kündigte China eine Erhöhung seiner Militärausgaben um 12,6 % an. CIA-Direktor Porter Goss berichtete von einem sich verschlechternden militärischen Kräftegleichgewicht in der Straße von Taiwan und Präsident George W. Bush appellierte an die Europäer, ihr Waffenembargo gegen China nicht aufzuheben. Und doch haben Vertreter der chinesischen Führung von Chinas „friedlichem“ Aufstieg oder, in jüngster Zeit, von seiner „friedlichen Entwicklung“ gesprochen.

Analysten wie John Mearsheimer von der University of Chicago sagen rundheraus, dass China nicht friedlich aufsteigen kann und dass sich „die Vereinigten Staaten und China wahrscheinlich auf einen heftigen Sicherheitswettstreit mit einem beträchtlichen Kriegspotenzial einlassen werden.“ Optimisten weisen darauf hin, dass China seit den 1990er Jahren eine gute Nachbarschaftspolitik betreibt, Grenzkonflikte bereinigte, sich stärker in internationalen Institutionen engagierte und die Vorteile der Soft Power anerkannte. Die Skeptiker allerdings halten dem entgegen, dass China nur darauf wartet, bis seine Wirtschaft die Grundlage für zukünftige Hegemoniebestrebungen schafft.

Wer hat nun Recht? Das werden wir nicht so schnell herausfinden, aber die an der Debatte Beteiligten sollten sich an die Warnung des Thukydides vor mehr als zweitausend Jahren erinnern, wonach der Glaube an die Unabwendbarkeit eines Konflikts zu einer seiner Hauptursachen werden kann. Jede Seite trifft im Glauben, dass die Entwicklung mit Krieg enden würde, Vorbereitungen, die die andere Seite als Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen interpretiert.

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