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Chinas zweifelhafte Wirtschaftskraft

TOKIO – Die Weltbank hat kürzlich bekanntgegeben, dass die chinesische Wirtschaftsleistung die der Vereinigten Staaten gemessen an der Kaufkraftparität in diesem Jahr übertreffen wird. Dabei handelt es sich allerdings keineswegs um eine ganzheitliche Betrachtung der globalen wirtschaftlichen Positionierung Chinas.

Die Kaufkraftparität kann zwar nützlich sein, um den Wohlstand in verschiedenen Ländern zu vergleichen, wird aber erheblich von der Bevölkerungsgröße beeinflusst. Indien, die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt gemessen am Wechselkurs des US-Dollars und der indischen Rupie, ist gemessen in Kaufkraftparitäten die drittgrößte. Hinzukommt, dass sich Machtressourcen wie etwa die Kosten für importiertes Erdöl oder eines modernen Triebwerks für Kampfflugzeuge besser anhand der Wechselkurse der Währungen ermessen lassen, mit denen sie bezahlt werden müssen.

Die Gesamtgröße ist sicherlich ein wichtiger Aspekt der Wirtschaftskraft. China verfügt über einen attraktiven Markt und ist für viele Länder der größte Handelspartner – wichtige Einflussgrößen, die die chinesische Führung sich nicht zu nutzen scheut.

Doch selbst wenn Chinas Gesamt-BIP das der USA übertreffen sollte (nach welchem Maß auch immer), werden die beiden Volkswirtschaften sehr unterschiedliche Strukturen und Entwicklungsniveaus beibehalten. Und Chinas Pro-Kopf-Einkommen – ein genaueres Maß für den wirtschaftlichen Entwicklungsstand – beläuft sich auf lediglich 20% des US-amerikanischen und es wird mindestens Jahrzehnte dauern bis China aufholt (wenn überhaupt).