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China – die etwas andere Supermacht

Jalta: Wer die schnelle und erfolgreiche Entwicklung der Volksrepublik China in den vergangenen zwanzig Jahren zum Maßstab nimmt, der kann – trotz der gewaltigen Probleme, vor denen diese uralte Zivilisation mit seiner riesigen Bevölkerung heute steht – keinen Zweifel daran haben, dass China zu einer der beherrschenden globalen Mächte des 21. Jahrhunderts werden wird. Vielleicht sogar zu der Weltmacht.

Freilich wäre es ein Irrtum anzunehmen, dass das Wiederauftauchen von so genannten „XXL-Mächten“ wie China und Indien auf der globalen Ebene einfach eine Fortschreibung der westlichen Tradition mit sich bringen wird. Wir werden es mit anderen Supermächten zu tun bekommen.

Seitdem europäische Mächte Ende des 15. Jahrhunderts die Segel gesetzt hatten, um die Welt zu erobern, hat man sich in der Geschichtsschreibung wie in der internationalen Politik an ein bestimmtes Muster gewöhnt: Militärische, wirtschaftliche und technologische Macht wird in außenpolitische Einflussnahme, Eroberungen, ja globale Dominanz und Imperien umgesetzt.

Dies galt sogar mehr denn je, als im 20. Jahrhundert die europäischen Weltmächte im Gefolge zweier Weltkriege von den USA und der Sowjetunion auf der globalen Bühne abgelöst wurden. Der Kalte Krieg und schließlich, nach 1989/90, die alleinige globale Dominanz der USA folgten weiter entschlossen diesem Modell.