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China und Russland in der neuen Weltunordnung

Kann der Kosovo ohne die stillschweigende Zustimmung Russlands seine Unabhängigkeit erlangen und kann es ohne den aktiven guten Willen Chinas eine humanitäre und politische Lösung der Tragödie in Darfur geben? Diese beiden Krisen haben zwar nichts gemeinsam, aber deren Lösung wird überwiegend davon abhängen, ob die beiden ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates von ihrem Vetorecht Gebrauch machen werden.

Ein Vergleich der jeweiligen Möglichkeiten Russlands und Chinas, wichtige internationale Initiativen zu blockieren, ergibt für sich gesehen zwar keinen Sinn, kann jedoch ein durchaus brauchbares Mittel sein, den Wandel des internationalen Systems zu verstehen, der als direkte Folge des relativen Abstiegs Amerikas als Weltmacht momentan vor sich geht. Aus dieser Perspektive betrachtet ist das zunehmende Chaos im Nahen Osten für Russland und China sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden. Dadurch könnten die beiden Länder nämlich gezwungen werden darüber nachzudenken, welche Rolle sie spielen und welches Image sie auf der Welt haben möchten.

Die wichtigste Frage dabei ist: Unternimmt Russland Riesenschritte in die „falsche Richtung“, während China „Minischritte“ in die „richtige Richtung“ setzt?

Oberflächlich betrachtet könnte der Eindruck entstehen, dass Russland und China den gleichen Weg verfolgen, wenn sie stolz verkünden, „zurück“ auf der Weltbühne zu sein. Diese großspurigen Ansagen bedeuten allerdings nicht in beiden Ländern das Gleiche.