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Chiles unsichere Zukunft

CAMBRIDGE – Als ich in diesem Monat in Chile war, war ich beeindruckt von dem Kontrast zwischen den greifbaren Erfolgen seiner langjährigen marktwirtschaftlichen Politik und der aktuellen Agenda der linksgerichteten Präsidentin des Landes, Michelle Bachelet. Wie dieser Kontrast aufgelöst wird, wird nicht nur für die mehr als 17 Millionen Einwohner Chiles wichtig, sondern auch für alle, die Chile als Musterbeispiel dafür ansehen, was sich mit einer soliden Wirtschaftspolitik erreichen lässt.

Chiles Wirtschaftsentwicklung war bisher die stärkste in Südamerika. Sein Pro-Kopf-Einkommen übersteigt 22.000 Dollar nach Kaufkraftparität; damit ist sein Einkommen höher als das von Argentinien, Brasilien und Mexiko. Es überrascht also nicht, dass Chile als entwickeltes Land gilt: Es ist der einzige südamerikanische Mitgliedsstaat der OECD.

Wichtigstes Produkt Chiles ist das Kupfer, auf das die Hälfte seiner Exporte entfällt. Zwar steht Codelco, der weltgrößte Kupferproduzent, in Staatseigentum, aber er ist Chiles einziges öffentliches Unternehmen. Der Umsatz des Unternehmens schwankt im Einklang mit dem Weltmarktpreis für Kupfer, was in manchen Jahren zu höheren Staatseinnahmen und bei niedrigem Weltmarktpreis (wie etwa in diesem Jahr) zu Einnahmerückgängen führt. Die Regierung folgt einer klugen Haushaltsstrategie, die in Jahren hoher Kupfererlöse Haushaltsüberschüsse vorsieht, die dann in einen nationalen Stabilisierungsfonds einfließen.

Doch selbst beim gegenwärtig niedrigen Kupferpreis beläuft sich Chiles Haushaltsdefizit auf lediglich 2% vom BIP. Infolge der vorsichtigen Haushaltsstrategie Chiles beträgt die Staatsverschuldung lediglich 16% vom BIP, und Chiles Bonität ist die höchste in Südamerika.