Für und Wider Charlie Hebdo

DAVOS – Nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris haben Menschen auf aller Welt mit den Worten „Je suis Charlie“ ihre Solidarität bekundet. Und in der Tat sollte Charlie Hebdo ohne Angst vor Gewalt veröffentlichen dürfen, was sie möchte, solange sie nicht selbst unmittelbar zu Gewalt aufstachelt. Aber bedeutet das auch, dass andere Nachrichtenagenturen und Einzelpersonen ihre Inhalte ebenfalls veröffentlichen sollten?

Die freie Meinungsäußerung sollte fast nie unterdrückt werden, ein Punkt, den Richter Oliver Wendell Holmes vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in einer abweichenden Meinung in einem Fall hervorgehoben hat, in dem es um die in der US-Verfassung garantierte Redefreiheit ging. Er schrieb: „[W]ir sollten uns stets vor Versuchen hüten, die Äußerung von Meinungen einzuschränken, die wir verabscheuen und von denen wir glauben, dass sie mit Gefahren für das Leben verbunden sind, es sei denn, sie stellen eine so unmittelbar drohende Beeinträchtigung der gesetzmäßigen und vordringlichen Ziele des Gesetzes dar, dass eine unverzügliche Einschränkung notwendig ist, um das Land zu schützen.“

Aus dieser Perspektive hätte ich mich den Millionen von Menschen angeschlossen, die sich auf den Straßen von Paris versammelt und „Je suis Charlie“ gerufen haben. Und ich kann voll und ganz den Wunsch nachvollziehen, die neue Ausgabe von Charlie Hebdo zu kaufen, die– mutig und entschlossen – eine Woche nach dem Anschlag veröffentlicht wurde. Nicht nur die Menschen in Frankreich, sondern auf der ganzen Welt, wollen ihre Solidarität mit den Opfern bekunden und das fundamentale Prinzip der freien Meinungsäußerung unterstützen.

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