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Zentralasiens andere Turkmenbaschis

Das plötzliche Ableben eines Diktators löst fast immer politische Instabilität aus. Doppelt gefährlich freilich wird es, wenn von ihm die Gefahr der regionsweiten Destabilisierung und eines Wettstreits um Einfluss seitens der weltweit größten Militärmächte – den Vereinigten Staaten, Russland und China – ausgeht.

Der plötzliche Tod Ende Dezember von Saparmurat Nijasow, dem autoritären Präsidenten auf Lebenszeit Turkmenistans, der sich selbst zum „Turkmenbaschi“ (Führer aller Turkmenen) erklärt hatte, gefährdet die Stabilität eines Landes, das ein für Europa zunehmend wichtigerer Energielieferant ist. Schlimmer noch: Aufgrund des Fehlens eines klar bestimmten Nachfolgers und der Schwäche der Zivilgesellschaft und anderer politischer Institutionen könnte sein Tod Auswirkungen auf ganz Zentralasien haben.

Tatsächlich beleuchtet das Ableben Nijasows die umfassenderen Probleme der postsowjetischen Regime Zentralasiens, die, mit Ausnahme Kirgisistans, von Größen aus der Sowjetära beherrscht werden, welche – obgleich nicht annähernd so exzentrisch oder egomanisch wie Nijasow – abweichende Meinungen oder Opposition kaum tolerieren. Die meisten von ihnen sind alt, einige krank. In den kommenden Jahren wird Zentralasien daher an vielen Fronten vor einem Wechsel der politischen Führung stehen, und den Sicherheitsapparaten – die, wie in Turkmenistan, an der Stützung der Regime dieser Länder zentralen Anteil haben – dürfte dabei eine wichtige Rolle zukommen.

Was bei diesen Phasen des Übergangs herauskommt, ist aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens ist Zentralasien eine wichtige Energiequelle. Auf die Region am Kaspischen Meer entfallen 2-3% der bekannten weltweiten Ölvorkommen – etwa ebenso viel wie auf die Nordsee. Das ist zwar sehr viel weniger als die Vorkommen in Saudi-Arabien oder im Iran, doch könnte sich das kaspische Öl als wichtig erweisen, falls die Ölproduktion andernorts zurückgeht oder aus politischen Gründen gedrosselt wird.