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Kapitalistischer GAU

PARIS: Die Weltwirtschaft ist derzeit von seltsamen, düsteren Ahnungen geprägt. Die Zeitungen berichten, dass in allen bedeutenden entwickelten Ländern die Vorhersagen für das Wirtschaftswachstum zurückgeschraubt werden: in den USA, Deutschland, Frankreich, Japan. Niemand, so scheint es, bleibt verschont. Tatsächlich liegen diese Schätzungen etwa einen halben Prozentpunkt unter denen vom vergangenen Herbst.

Zugleich berichten die Zeitungen in düsteren Farben fast ausschließlich über die Banken und Finanzmärkte, ohne der realen Wirtschaft viel Aufmerksamkeit zu schenken – als ob die derzeitige Krise eine bloße Finanzkrise wäre und zwangsläufig bleiben wird. Tatsächlich sind einige Experten der Ansicht, dass die Krise einfach durch eine Refinanzierung der Banken gelöst werden kann und dass die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft relativ begrenzt bleiben werden.

Dies ist eindeutig die Ansicht der Europäischen Zentralbank, die derzeit hunderte Milliarden Euros in das Bankensystem pumpt, um dessen Liquidität zu gewährleisten. Anders als die US Federal Reserve jedoch hat sie bisher von einer Senkung der Leitzinsen, die für die meisten Firmen und Privathaushalte ausschlaggebend sind, abgesehen.

Natürlich glauben andere Experten, dass die Realwirtschaft in Gefahr und die Drohung einer Rezession real ist. Unglücklicherweise jedoch kann sich kaum ein Experte in zuversichtlicher Weise sowohl in Finanzfragen als auch in makroökonomischen Fragen äußern. Was also soll ein Nichtexperte glauben?