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Kann der IWF eine globale Finanzkrise abwenden?

Wenn sich die führenden Vertreter der Finanzwelt diesen Monat in Singapur zur gemeinsamen Tagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds treffen, werden sie sich mit einer überaus brisanten Frage zu befassen haben. Gibt es eine Möglichkeit, die größten Mitgliedsländer des IWF, vor allem die USA und China, dazu zu bewegen, an der Verringerung jener Risiken mitzuwirken, welche die massiven Handelsungleichgewichte auf der Welt mit sich bringen?

Heuer werden die USA ungefähr 800 Milliarden Dollar an Krediten aufnehmen, um ihr Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Unfassbar, aber die USA verbrauchen damit ungefähr zwei Drittel aller weltweiten Nettoersparnisse – eine in der Geschichte einmalige Situation.

Obwohl diese Kreditorgie durchaus glimpflich enden könnte, wie US-Notenbankchef Ben Bernanke vermutet, sorgen sich die führenden Vertreter der Finanzwelt zurecht über eine dramatischere Neuordnung, die wahrscheinlich eine massive Abwertung des Dollar und noch Schlimmeres zur Folge hätte. Wenn die politischen Verantwortungsträger weiterhin tatenlos zusehen, ist ein abrupter weltweiter Abschwung oder sogar eine verheerende Finanzkrise durchaus vorstellbar.

Obwohl Bernanke zurecht eine weiche Landung als wahrscheinlichsten Ausgang sieht, sagt einem der Hausverstand, dass man sich auf ein paar prophylaktische Maßnahmen einigen sollte, auch wenn damit die eine oder andere bittere Pille für die USA, China und andere an den globalen Ungleichgewichten Beteiligte verbunden ist. Leider ist es alles andere als leicht, die Aufmerksamkeit der Politiker in den großen Ländern auf andere Dinge als ihre nationalen Sachzwänge zu lenken.