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Kann Indien die Globalisierung überleben?

Indien ist nach der Unabhängigkeit von 1947 viele Jahre lang ein großes und armes Land geblieben. Die aufeinander folgenden Regierungen machten sich eine Politik zu eigen, die den Staat Wachstum und Entwicklung lenken ließ und gleichzeitig wirtschaftliche Interaktionen mit dem Rest der Welt stark einschränkte.

Die indische Bevölkerung ist weiter gewachsen und immer noch arm aber nicht so arm wie sie hätte sein können. Vor mehr als zehn Jahren wurde eine neuer Kurs eingeschlagen, der zu schnellerem Wachstum und weniger Armut führte. Der Außenhandel wurde liberalisiert und eine Vielzahl von Regierungskontrollen inländischer Investitionen wurden aufgehoben. Der Sinneswandel vieler Intellektueller und Entscheidungsträger zu Gunsten eines marktorientierteren Ansatzes, einschließlich einer stärkeren Integration in die Weltwirtschaft, war vielleicht von noch größerer Bedeutung.

Für Indiens Entwicklung bedeutet dies einen entscheidenden Durchbruch. Der Nobelpreisträger James Heckman weist in seiner jüngsten Analyse der schlechten Leistung der deutschen Wirtschaft nach der Wiedervereinigung darauf hin, dass neue Möglichkeiten in Technologie und Handel die Kosten für die Wahrung des Status Quo angehoben haben. ``Die Gewinner des Welthandels in der nächsten Generation werden die Länder sein, die flexibel mit ausgebildeten Arbeitskräften reagieren können'', so Heckmann

Wie aber soll ein Land von Indiens Größe und Vielfältigkeit die Flexibilität erreichen, die die Integration in die Weltwirtschaft voraussetzt? Abdul Kalam, seit 2002 indischer Präsident, betont die Notwendigkeit, die globale Wettbewerbsfähigkeit von der Basis aus aufzubauen in jedem einzelnen der Bundesstaaten des Landes. Indem er die föderalistische Natur des indischen Staatswesens hervorhebt, spricht er direkt ein Thema an, das in einer Ära der Globalisierung in den Debatten über Wirtschaftsreformen im Vordergrund steht.