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Ist Draghi glaubwürdig?

LONDON – Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hat wiederholt behauptet, die EZB würde alles Nötige tun, um den Euro zu retten. Zwar wurde noch keine formelle Einigung getroffen, aber es wird erwartet, dass die EZB nach ihrem Ratstreffen nächste Woche ein neues Kaufprogramm für Staatsanleihen bekannt gibt. Wird dies funktionieren?

Um die Kreditkosten Italiens und Spaniens deutlich zu beeinflussen, muss das Programm groß genug sein, um das Konvertierungsrisiko auszuschalten, das der extremen Polarisierung der Erträge von Staatsanleihen innerhalb der Eurozone zugrunde liegt: Investoren sträuben sich gegen spanische und italienische Anleihen, da sie befürchten, die beiden Länder könnten gezwungen werden, aus der Währungsunion auszutreten. Leider ist es sehr unwahrscheinlich, dass die EZB genug tun wird, um die Investoren von einer dauerhaften Euro-Mitgliedschaft dieser Staaten zu überzeugen – nicht zuletzt deshalb, weil die deutsche Bundesbank sich jeder dauerhafte Verpflichtung zur Begrenzung von Kreditkosten in den Weg stellt.

Diese Kosten sind für Spanien, Italien und die Peripherie der Eurozone so hoch wie nie zuvor, was Neuinvestitionen und damit das Wirtschaftswachstum behindert. Ohne eine Rückkehr zum Wachstum können diese Länder die Zweifel der Investoren über ihre Haushaltsstabilität und die Liquidität ihrer Banken nicht zerstreuen.

Die Regierungen Italiens und Spaniens betonen, dass ihre hohen Kreditkosten in erster Linie auf Konvertierungsrisiken zurückzuführen sind, und dass die EZB ihr Möglichstes tun sollte, diese zu minimieren. Aber die Mitglieder der Eurozone, die momentan von außergewöhnlich niedrigen Kreditkosten profitieren – Deutschland, Österreich, Finnland, die Niederlande und in geringerem Ausmaß Frankreich – behaupten, die Kreditkosten Italiens und Spaniens spiegelten größtenteils das Scheitern dieser Länder wider, ihre Volkswirtschaften zu reformieren und ihre öffentlichen Finanzen zu stärken.