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Bush/Gore: Es gibt einen Unterschied

BOSTON/ROME: Jeder Zeitungsleser in Ländern ausserhalb den USA, könnte hinsichtlich der Wahlkampagne in Amerika zwei Schlüsse ziehen: Erstens, dass nur wenig Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten bestehen; zweitens, dass das kleinste Detail – ein Versprecher, ein falscher Schritt, ein bisschen Klatsch – die Wahl entscheiden könnte.

Beide Schlussfolgerungen sind falsch. Fangen wir mit dem ersten an. Die Unterschiede zwischen Bush und Gore in Bezug auf Finanzpolitik sind so groß wie die Unterschiede zwischen der Rechten und Linken in Frankreich oder Italien. Der Zwiespalt liegt in den sehr verschiedenen Visionen vom Staat und geht über die Fragen hinaus, wie der amerikanische Haushaltsüberschuss zwischen erhöhten Ausgaben und einer Senkung der Steuern aufzuteilen sei.

Die Republikaner von Bush favorisieren die Erhöhung des frei verfügbaren Familieneinkommens (mittels einer Reduzierung der Steuern) und wollen die Warenproduktion und Dienstleistungen, die gegenwärtig von der öffentlichen Hand bereitgestellt und vom Steuerzahler, nicht vom Verbraucher getragen werden, in größerem Umfang dem Markt überlassen. Die Demokraten von Gore hingegen, bevorzugen eine eher traditionelle öffentliche Verwaltung und Kontrolle.

Hinsichtlich des öffentlichen Bildungswesens tritt Bush für ein System von Gutscheinen ein, die von den einzelnen Staaten verwaltet werden sollen. Durch diese Gutscheine erhalten die Bürger eine Beihilfe aus öffentlichen Mitteln, mit der sie eine Ausbildung an öffentlichen oder privaten Schulen „erwerben“ können. Der dahinterstehende Gedanke ist eine Erhöhung der Ausbildungsqualität mittels Marktwettbewerb zwischen den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen. Die Demokraten sind gegen Gutscheine und bevorzugen bedeutende föderale Investitionen, um die Qualität öffentlicher Schulen zu verbessern.