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Zerplatzt das Luftschloss?

ROM: “Auf dem schnellstem Wege reich werden” – für viele Menschen auf der ganzen Welt steht dieser Slogan für das, was Investition in den Aktienmarkt heute bedeutet. Alte Menschen investieren ihre Ersparnisse und Renten vom heimischen Computer aus, die Jüngeren geben die Lohnarbeit auf, um die umfangreichen Aktienangebote der Firmen mit „.com“ in ihrem Logo anzunehmen und daraus höchstmöglichen Gewinn zu schlagen. Wenn man sich den Tumult auf dem Aktienmarkt während der letzten 10 Tage ansieht, dann wird überall für neue wie alte Investoren eine Untersuchung der historischen Daten über das Leben von Aktienmärkten zu einer zwingend ernüchternden Erfahrung.

In den letzten 100 Jahren lieferten Aktieninvestitionen in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt 6% mehr kurzzeitige staatliche Wertpapiere als andere, sichere Investitionen. Dieser Unterschied war bis auf den Zeitraum von 1947-1997, als der Prozentsatz auf 8 % stieg, relativ stabil. Für andere Länder sind die Zahlen ähnlich: In Italien brachten Investitionen in Aktien zwischen 1961 und 1994 einen durchschnittlichen Mehrgewinn von 6 % als Wertschatzpapiere. Sicher gab es auch aussergewöhnliche Zeiten, wie die 50-er Jahre, als der Unterschied in Milano auf über 22 % anstieg. In dem darauffolgenden Jahrzehnt dagegen sank der Unterschied wieder um 2 %.

Aber es ist ganz einfach: Grössere Gewinne bedeuten auch grössere Risiken. Wenn ein Investor - statt in den „Standard und Armen“-Index der 500 größten an der Wall Street vertretenen Firmen zu investieren – alle seine Ersparnisse nun in kleine, oftmals innovationsträchtigere Firmen (die sogenannten „Small caps“) anlegt, wäre sein Gewinn in den letzten 50 Jahren um 6 % gestiegen – im Vergleich hätten die gesicherten staatlichen Wertpapiere 15 % Gewinn gegeben. Aber das Risiko dieses Investors hätte sich ebenfalls verdoppelt, weil die Verflüchtigung der Gewinne aus den kurzfristigen staatlichen Wertpapieren während der 50 Jahre nur 3% betrug, für den „Standard und Armen“-Index 17 % und ganze 30 % für die Aktien der kleinen Firmen („Small caps“).

Diese 30 % bedeuten, daß irgendwann einmal die Wahrscheinlichkeit, daß die Gewinne der eigenen Investitionen um 30 % höher sein würden als die Gewinne aus den staatlichen Wertpapieren, sich gleichverhalten würde zu der Wahrscheinlichkeit, daß es 30 % Verlust sein könnten. Man kann sich das am Beispiel Amerikas verdeutlichen: wenn man bedenkt, dass in dem genannten Zeitraum die staatlichen Wertpapiere weniger als 2 % Gewinn brachten, würde das bedeuten, dass Gewinne der „Small caps“ Aktien sehr in einem beliebigen Jahr zwischen der Wahrscheinlichkeit von +32 % oder – 28 % liegen könnten. In anderen Worten bringen die Langzeit-Investitionen in Aktien mehr als Investitionen in die staatlichen Wertpapiere, aber die erhöhte Verflüchtigungsgefahr hat zur Folge, dass erst Jahrzehnte vergehen müssen, bevor wir sicher sagen können, ob eine durchschnittliche Aktieninvestition tatsächlich mehr Gewinne gebracht hat oder nicht.