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Entscheidung zur Wende

Von Alfred Gusenbauer

Die Herausforderung der aktuellen Krise selbst für klügste Köpfe ist die scheinbare Unmöglichkeit, ihre Vielfältigkeit zu überblicken und zu managen – wobei eine schier nicht zu bändigende Heterogenität der Verhältnisse zusätzliche Probleme bereithält. Vieles ließ sich immer wieder sanieren, zahlreiche Modelle hatten ihre Konjunkturen – doch jetzt stehen wir vor der Notwendigkeit einer schlichtweg als fundamental zu bezeichnenden Entscheidung.

Die Subprime-Krise vom Frühsommer 2007 entwickelte sich zur Finanz- und schließlich zur Wirtschaftskrise. Unvermittelt kommen neue Probleme zu den bereits bestehenden: die Energiepreise und Kursschwankungen, die Verteuerung von Nahrungsmitteln, der Klimawandel und die Probleme der globalen politischen Machtverteilung erfordern neue Instrumentarien und Handlungsszenarien.

Zudem zeigen die Ereignisse in Griechenland, wie verwundbar die politische Stabilität selbst in einem der stabilsten Teile der Welt – der EU – ist, sobald der Funke der sozialen Unzufriedenheit überspringt. Die Sozialgefüge geraten jedoch nicht nur am Peloponnes ins Rutschen, insgesamt verstärkt die Unterfinanzierung breiter Bevölkerungsgruppen diesen Negativtrend und derartige Unruhen werden kaum ein allein griechisches Phänomen bleiben.