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Widerstandsfähiges Pakistan?

ISLAMABAD – Seit Mitte Dezember erlebt Pakistan eine selbst nach pakistanischen Maßstäben außergewöhnliche politische und wirtschaftliche Volatilität. Die fragile politische Struktur, deren neuerliche Errichtung nach der Rückkehr einer Zivilregierung 2008 begann, ist erschüttert.

Eine zentrale Quelle dieser Unruhe ist Tahirul Qadri, ein in Toronto wohnhafter muslimischer Geistlicher, der Anfang in Lahore eintraf. Zehn Tage später hielt er eine Rede vor einem riesigen Publikum auf dem Gelände des städtischen Minar-e-Pakistan, wo ein Jahr zuvor bereits der Ex-Cricketspieler und heutige Politiker Imran Khan etwas eingeleitet hatte, was er nicht sehr passend als politischen Tsunami bezeichnete.

Qadri stelle der Regierung in Islamabad ein 20-tägiges Ultimatum, das politische System von der verbreiteten Korruption zu säubern, die Wahlkommission wieder einzusetzen und eine Übergangsregierung zu ernennen, um die anstehenden Wahlen zu beaufsichtigen. Diese Übergangsregierung, so Qadri, sollte Technokraten, ehemalige Militäroffiziere und Richter umfassen – und könnte länger als die verfassungsmäßig zulässigen 90 Tage im Amt bleiben. Sofern die Regierung nicht diese Schritte ergreife, würde er mit einer Million Menschen in die Hauptstadt marschieren.

Als die Regierung dieser Forderung nicht nachkam, machten sich 50.000 Menschen auf der berühmten Grand Trunk Road nach Islamabad auf. Sie brauchten 36 Stunden, um die 300 km lange Strecke zu bewältigen. Qadri wandte sich wiederholt in Ansprachen an die Marschierenden; unter großzügiger Verwirrung politischer Metaphern bezeichnete er sich selbst als heutigen Mao Zedong, der auf dem Weg sei, einen das System reinigenden Dschihad und eine pakistanische Version des Arabischen Frühlings einzuleiten.