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Die Stabilisierung der globalen Erholung

Die Welt von heute präsentiert sich als Kontraststudie. Einerseits verfolgen uns Bilder des Terrors und des Krieges, andererseits erleben wir in allen Regionen der Welt das stärkste Wirtschaftswachstum seit Jahren. Die Inflation bleibt trotz steigender Ölpreise unter Kontrolle und die Entwicklung der Finanzmärkte verläuft zufriedenstellend. Mehrere Volkswirtschaften, die bis vor kurzem von Finanzkrisen erschüttert waren, befinden sich auf einem guten Weg der Erholung. Gleichzeit bleibt allerdings noch viel zu tun, um zukünftigen Krisen vorzubeugen und die Armut zu reduzieren.

Was bedeuten diese Kontraste für die Zukunft? Die Antwort darauf hängt entscheidend davon ab, wie jedes einzelne Land und die internationale Gemeinschaft auf die wichtigsten politischen Herausforderungen reagieren. Dazu gehören die Bekämpfung globaler Ungleichgewichte mittels makroökonomischer Strategien und längst überfälliger Reformen, die Begleichung der Kosten durch alternde Bevölkerungen, die Stärkung der Abwehrmechanismen gegen Wirtschafts- und Finanzkrisen und die Einhaltung von Versprechen im Bereich der zwingend notwendigen Armutsreduktion.

Kürzlich trafen sich führende Vertreter der Wirtschafts- und Finanzwelt in Washington zur Jahrestagung des IWF und der Weltbank. Vor 60 Jahren fand die Konferenz von Bretton Woods statt, die beide Institutionen als Säulen der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit hervorbrachte. Meine Botschaft als IWF-Chef war eine Aufforderung zu Wachsamkeit und Handeln. Einfach ausgedrückt kann man sagen, die internationale Gemeinschaft muss aus der gegenwärtigen Erholung Nutzen ziehen, um wirtschaftliche und finanzielle Stabilität zu gewährleisten und Ländern mit weniger guten Aussichten Hilfe leisten.

Zeiten starken Wirtschaftswachstums ermöglichen es Ländern Vorsorge zu treffen, um die Wahrscheinlichkeit und die Stärke zukünftiger Abschwünge zu mindern. Allerdings werden derartige Chancen oft allzu leicht vertan. In Zeiten globalisierter Finanzmärkte, da Länder mit schnellen grenzüberschreitenden Kapitalflüssen zu kämpfen haben, ist Selbstzufriedenheit fehl am Platz. Eine Lektion der 1990er Jahre ist, dass Schwachstellen zu beseitigen sind, bevor sie sich zu Krisen auswachsen.