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Von Robert J. Shiller

Eine spekulative Blase ist eine soziale Epidemie, in der die Ansteckung durch Preisbewegungen stattfindet. Nachrichten über Preissteigerungen bereichern die frühen Investoren und führen dazu, dass Geschichten über ihre Erfolge erzählt werden, die Neid und Interesse wecken. Die Aufregung lockt dann mehr und mehr Menschen in die Märkte, dann steigen die Preise und noch mehr Menschen werden angezogen. Dann machen Geschichten über eine „neue Ära“ die Runde und der Kreislauf geht weiter, während die Blase wächst. Nach dem Platzen der Blase führt dieselbe Ansteckung zu einem Kollaps, weil mehr und mehr Menschen aufgrund fallender Preise den Markt verlassen und immer mehr negative Geschichten über die Wirtschaft erzählt werden.

Aber bevor wir den Schluss ziehen, dass wir nun, nach der Krise, Maßnahmen zur Zügelung des Marktes ergreifen sollten, müssen wir die Alternativen bedenken. Tatsächlich sind spekulative Blasen nur eins von vielen Beispielen für soziale Epidemien, die ohne Finanzmärkte noch schlimmer ausfallen können. In einer spekulativen Blase wird die Ansteckung durch die Reaktion der Menschen auf Preisbewegungen verstärkt, aber soziale Epidemien benötigen keine Märkte oder Preise, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten, und verbreiten sich schnell.

Einige Beispiele für soziale Epidemien, die nicht durch spekulative Märkte unterstützt wurden, beschrieb Charles MacKay 1841 in seinem Bestseller Memoirs of Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds.Durch dieses Buch wurden einige historische Blasen bekannt: die Mississippi-Blase 1719-1720, die Blase der Südseegesellschaft 1711-20 und die Tulpenmanie der 1630er. Aber es werden auch andere Beispiele beschrieben, bei denen es nicht um Märkte ging.

MacKay beschreibt soziale Epidemien mehrerer Jahrhunderte, bei denen es um den Glauben an Alchemisten, Endzeitpropheten, Wahrsager, Astrologen, Magnetheiler, Hexenjäger und Kreuzfahrer ging. Einige dieser Epidemien hatten umfassende wirtschaftliche Konsequenzen. Die Kreuzzüge vom elften bis zum dreizehnten Jahrhundert beispielsweise brachten mit sich, was MacKay als „epidemische Ekstase” unter potenziellen Kreuzrittern in Europa bezeichnet, bei der sich diese einbildeten, Gott würde Armeen von Heiligen schicken, die an ihrer Seite kämpfen würden. Bei den Kreuzzügen starben zwischen einer und drei Millionen Menschen.