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Der Kampf um das Vereinigte Königreich

BRÜSSEL – Mit dem Ausgang der britischen Unterhauswahlen in dieser Woche werden die Weichen für die langfristigen Beziehungen des Landes zur Europäischen Union gestellt. Und doch ist diese Frage, bedauerlicherweise außer von der UK Independence Party, während des Wahlkampfes kaum thematisiert worden. Die Wähler wissen allerdings, dass sie schon bald in den Mittelpunkt der britischen Politik rücken könnte, unabhängig davon, ob die Konservativen wieder an die Macht kommen oder von der Labour-Partei abgelöst werden.

Das Vereinigte Königreich ist sich seiner Rolle in Europa nicht ganz sicher. Es hatte gehofft, dass eine größere EU weniger integriert sein würde. Doch die EU-Erweiterung 2004 konnte die Dynamik auf dem Weg zu einer „immer engeren Union“ nicht aufhalten. Von den zehn Ländern, die damals beigetreten sind, sind heute sieben in der Eurozone.

Welcher Art die Probleme auch sein mögen, mit denen das Vereinigte Königreich derzeit konfrontiert ist; sie verblassen gegenüber denen, die auftauchen würden, wenn es aus der EU austreten sollte. Tatsächlich würden die britischen Bürger wahrscheinlich erst im Nachhinein erkennen, dass die Probleme, die sie der EU zugeschrieben haben, ihren Ursprung in Wirklichkeit im eigenen Land haben.

Gegenwärtig besteht das Problem darin, dass die britische Haltung die Zentrifugalkräfte stärkt, die derzeit in der EU wirken. Das Versprechen von Premierminister David Cameron, im Falle seiner Wiederwahl bis 2017 ein Referendum über die Mitgliedschaft abzuhalten, ist keine Hilfe bei der Bewältigung der Probleme, denen das Vereinigte Königreich und das übrige Europa gemeinsam gegenüberstehen: die Notwendigkeit höheren Wachstums und stärkerer sozialer Eingliederung inmitten nie dagewesener außenpolitischer Herausforderungen.