Merkel and Macron Tobias Schwarz/Getty Images

Die veränderte Geopolitik europäischer Emotionen

PARIS – In Europa ist ein neues Dreieck geopolitischer Emotion entstanden: Großbritannien fühlt sich Frankreich nicht mehr überlegen und Frankreich fühlt sich Deutschland nicht mehr unterlegen. Die Frage lautet, ob diese gefühlsmäßigen Veränderungen letztlich für eine Neuordnung des Machtgleichgewichts in Europa - und möglicherweise auf der Welt -   sorgen werden.

Die derzeitigen Entwicklungen in Großbritannien und Frankreich werden sich dabei als entscheidend erweisen. Es bleibt abzuwarten, wie die Briten den Schaden, den sie sich mit dem Brexit-Dilemma selbst zugefügt haben, reparieren werden. Und es ist noch unklar, ob die Franzosen die starke und positive Energie ihres neuen Präsidenten Emmanuel Macron nützen werden, um dringend notwendige Reformen umzusetzen.

Aber selbst angesichts dieser Unwägbarkeiten praktizieren beide Länder eine Art Nullsummen-Transfer der Emotionen, der unmöglich übersehen werden kann. In der Vergangenheit waren auf einer Reise von London nach Paris die Unterschiede zwischen den beiden Städten leicht auszumachen. London sprühte vor Dynamik und war stolz, sich als Welthauptstadt des Multikulturalismus zur Geltung zu bringen. Paris, obwohl unbestreitbar schöner, lief Gefahr, zu einem Rom der Neuzeit zu werden, zu einem Gefangenen seiner Vergangenheit und zu einem Ort, den man bestenfalls gerne besucht, wo man aber nicht gerne lebt.

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