Großbritannien allein zu Haus

LONDON – Europa ist einmal mehr in Osten und Westen gespalten – nur dass diesmal die Spannungslinie innerhalb der Europäischen Union verläuft. Die östlichen Mitgliedstaaten – besonders Polen und die baltischen Staaten – klammern sich angesichts der russischen Aggression an die EU. Das andere geographische wie politische Extrem, Großbritannien, droht, Europa endgültig den Rücken zu kehren. Die Entscheidungen, die heute am östlichen und westlichen Rand Europas getroffen werden, dürften ein neues Gleichgewicht der Kräfte hervorbringen.

Man kann sich Europa nach einem britischen Rückzug unschwer vorstellen: Die deutsch-französische Achse hat das Sagen; Russland ist gestärkt; die USA übergehen ein nun geschwächtes Großbritannien, in dem das EU-freundliche Schottland einmal mehr mit Austritt droht; und England zieht sich auf sich selbst zurück, während die Euroskeptiker sich der Vorstellung hingeben, dass Großbritannien auf sich selbst gestellt schon immer am stärksten war.

Und angesichts der bisherigen Auswirkungen des britischen Euroskeptizismus braucht man keine Kristallkugel, um die Folgen eines britischen Rückzugs aus der EU vorherzusehen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat es im Dezember so formuliert: „In all meinen Jahren im Europäischen Rat habe ich es noch nie erlebt, dass … ein großes Land so isoliert war wie Großbritannien.“

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