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Die BRICS-Täuschung

MADRID – Der jüngsten Abstufung der Kreditwürdigkeit Brasiliens folgte eine Flut von Artikeln, in denen vom Niedergang der BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) die Rede war. Wie vorhersehbar: Auf schlechte Nachrichten über die BRICS folgt fast immer Schadenfreude, und dabei wurden diese Länder früher als die weltweit dynamischsten Volkswirtschaften und kommenden politischen Großmächte gefeiert.

Um dies zu erklären, muss man genauer hinschauen: Die offensichtliche Faszination der Welt über den angeblichen Aufstieg und Fall der BRICS spiegelt ein Bedürfnis wider, ein Land oder eine Gruppe von Ländern zu finden, die den Vereinigten Staaten ihre weltweite Führungsposition abnehmen könnten. Aber auf der Suche nach dem „nächsten großen Ding“ ignoriert die Welt die Tatsache, dass die USA immer noch die einzige Macht sind, die in der Lage ist, weltweit zu führen und eine gewisse internationale Ordnung zu gewährleisten.

Die Geschichte der BRICS ist bekannt. Der Begriff wurde 2001 durch den britischen Ökonomen Jim O’Neill als rein praktische Gruppierung eingeführt. Er fasste diese Länder (ohne Südafrika) nur deshalb zusammen und gab ihnen einen prägnanten Namen, weil sie allesamt große, sich schnell entwickelnde Schwellenländer waren. Aber als die BRICS erkannten, dass sich wirtschaftliche Macht in politischen Einfluss verwandeln lässt, hielten sie 2006 ihr erstes informelles Treffen und 2009 ihren ersten politischen Gipfel ab.

Der Block schien gemeinsame Wege gehen zu wollen. Aber nach sieben Jahren, sieben Gipfeltreffen und einem neuen Mitglied (2010 stieß Südafrika dazu) wird die tatsächliche Bedeutung der BRICS weiterhin heiß diskutiert.