11

Die Abwärtsspiralen des Brexit

LONDON – Die Finanzmärkte geben dem Brexit eine Abfuhr, und sie tun recht daran. Aber da es nicht die demokratische Zivilgesellschaft ist, sondern die Finanzwelt, die sich gegen die britische Entscheidung zum Verlassen der Europäischen Union wendet, wird die Brexit-Debatte bitterer und der Schaden schlimmer werden.

Die sofortigen wirtschaftlichen Effekte der Abstimmung vom Juni waren zu vernachlässigen und angesichts dessen, dass die britischen Wachstumsprognosen jetzt nach oben korrigiert werden, vielleicht sogar leicht positiv. Aber das britische Pfund fällt, die Kosten der Schuldenfinanzierung des Landes steigen, und der tatsächliche Rückzug aus der EU könnte zerstörerische Auswirkungen haben.

Nach der Entscheidung, die EU zu verlassen, liegt es im Interesse Großbritanniens, den Austritt so zu gestalten, dass die kurzfristigen Anpassungskosten und langfristigen Nachteile möglichst gering bleiben. Im Interesse der EU liegt es, nicht nur die wirtschaftlichen Folgen, sondern auch den Imageschaden zu minimieren, der durch den Verlust eines wichtigen Mitgliedslandes entsteht.

Idealerweise würden die Konfliktparteien in einem solchen Fall kühl und rational über ihre langfristigen Interessen nachdenken und entsprechend handeln. Leider ist dies nur selten der Fall. Ähnlich wie eine Ehescheidung, die oft zu Bitterkeit und Kämpfen führt, von denen nur die Anwälte profitieren, wird die Scheidung Großbritanniens von der EU mit ziemlicher Sicherheit schmutzig enden. Bei zunehmender Gegnerschaft wird eine gütliche Einigung immer unwahrscheinlicher, und alle werden am Ende mehr verlieren als gewinnen.